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"Stirb niemals jung": Vanity

Veröffentlicht am 22.02.2016



Am 15. Februar verstarb die von Prince entdeckte kanadische Sängerin und Schauspielerin Vanity. Sie wurde 57 Jahre alt.
Vanity, am 4. Januar 1959 in Niagara Falls als Denise Katrina Matthews geboren, war im Asta 1 jeweils eine Woche in Roger Spottiswoodes Debüt-Thriller "Monster im Nachtexpress" (Terror Train, 1981) und in Gil Bettmans wüster Agentenparodie "Lance - Stirb niemals jung" (Never Too Young To Die, 1986) zu sehen. Letztere sollte als moderner James-Bond-Reißer eigentlich von Steve Carver ("Mc Quade, der Wolf") inszeniert werden und präsentierte Vanity endlich einmal groß auf dem Filmplakat. Der von Steven Paul ("Slapstick", "Baby Genuises") produzierte Actioner fiel an den Kassen allerdings durch. Auch in Düsseldorf, wo der Scotia-Verleih den Film im Juli 1986 auf seiner für Jahre exklusiv gebuchten Litfaßsäule unter dem Tausendfüßler bewarb, ging es nach der Startwoche im Resi 4 und Rex A und einer einsamen zweiten Woche im Asta 1 zurück ins Filmlager. Immerhin aber erreichte Vanitys Film einen Monat nach dem US-Start in West-Deutschland 130.000 Besucher, ein Drittel der Zahlen der Chuck-Norris-Actioner "Delta Force" und "Invasion U.S.A.". Ihre vielleicht beste Rolle spielte die Tochter einer Deutschen und eines Afro-Amerikaners kurz darauf in John Frankenheimers grimmiger Elmore-Leonard-Adaption "52 Pick-Up", die nach der Schließung des Asta Nielsen in Düsseldorf kein passendes Kino mehr fand.
Vanity nahm nach ihrem "Vanity 6"-Album für Motown die beiden Soloplatten "Wild Animal" und "Skin to Skin" auf und sang außerdem den Song "7th Heaven" für Berry Gordys kultige Martial-Arts-Komödie "Der Tanz des Drachen" (in Düsseldorf im Europa und Savoy), in der sie neben Taimak die Hauptrolle spielte und die in den USA ihr erfolgreichster Film bleiben sollte. 1988 landete sie neben Carl Weathers in der Lorimar-Produktion "Action Jackson" (Savoy und Residenz), zu der sie die Songs "Faraway Eyes", "Undress" und "Shotgun" beisteuerte. Erstmals äußerte sie während der Dreharbeiten ihren deutlichen Vorbehalt gegen übermäßige Nacktszenen. Nach mehreren Engagements in TV-Serien und einem durch jahrelangen Drogenkonsum verursachten Nierenversagen 1994 stieg sie aus dem Showgeschäft aus und wandte sich als Evangelistin dem christlichen Glauben zu. Alle ihre Fotos, Filme und Platten landeten auf dem Müll, Tantiemen wollte sie nicht mehr haben. Nach dem Verlust beider Nieren musste sich Vanity erst täglich, dann dreimal pro Woche einer Dialyse unterziehen, was sie nicht davon abhielt, bar jedweder Berührungsängste weiter zu predigen und Obdachlose zum Essen oder Duschen in ihr Haus einzuladen. In "Blame it on Vanity" rechnete sie 2010 mit ihrem Vater, der sie als Kind sexuell missbraucht hatte, und ihrer Hollywood-Karriere ab, und lobte ihr "spirituelles Leben mit Gott". Im November 2015 widmete der Hollywood Reporter "Lance - Stirb niemals jung" ein "Flashback"-Interview mit Vanitys Co-Stars John Stamos und Gene Simmons. Stamos rekapitulierte, wie Vanity beim ersten Treffen vor Drehbeginn gleich ihre Hand auf seine Beine gelegt hätte, um ihn, der Filmrolle entsprechend, anzumachen. Es sei aufgrund ihres Star-Status aber zu keiner weiteren Affäre gekommen. Vanity, die die letzten Jahre kraft- und humorvoll in Kirchengemeinden predigte ("We must be famous in heaven, not here on earth"), wollte sich drei Monate vor ihrem plötzlichen Tod nicht mehr zu dem Film äußern und ließ alle Interviewanfragen unbeantwortet. (rs)


Update 9.4.2019:
"Lance - Stirb niemals jung" beziehungsweise "Never Too Young To Die" feierte die letzten Jahre einige umjubelte Wiederaufführungen in Retro-Kinoreihen, sowohl in den USA (New Beverly, Spectacle Theater Brooklyn, Alamo Drafthouse, Indiana University Cinema Bloomington), Großbritannien (The Station Bristol) als auch Frankreich (Cantada II Paris). Dabei wurde der Film, den Produzent Steven Paul in den USA am 13.6.1986 mit 75 Kopien als Limited Release gegen "Mach's nochmal, Dad" und "Ferris macht blau" gestartet hatte, zum Kultwerk der 1980er erklärt. Während Pauls eigener Verleih Paul Releasing mit seiner um vier Minuten gekürzten PG-13-Fassung nur B-Kinos und Drive-Ins beliefern konnte, was zu einem mageren Einspiel von 129.000 Dollar und Platz 11 am Startwochenende führte, war Deutschland neben Pakistan und Jugoslawien einer der wenigen Märkte, wo der Film breit im Kino ausgewertet wurde. Scotia-Verleiher Sam Waynberg, der bereits Pauls Regiearbeit "Slapstick" mit Jerry Lewis und Marty Feldman in die deutschen Kinos geschickt hatte, schoss der Paul-Familie Geld vor und schaffte es so als erster Name unter die "Special Thanks"-Erwähnungen im Abspann. Mit einem um etliche Szenenfotos, darunter auch ein Hubschrauberbild aus "American Fighter", aufgepimpten Plakat, das Vanitys Dekolleté nicht wie in den USA zusätzlich vernebelte, konnte Waynberg die einmalige Mischung aus "Rocky Horror Picture Show, James Bond und Mad Max" einigermaßen passabel im Sommergeschäft unterbringen, wobei "Lance" die anvisierten 300.000 Besucher allerdings klar verfehlte, in Städten wie Dortmund, Fulda und Mainz aber immerhin dreiwöchige Laufzeiten hinlegte. Die besten Zahlen schrieb er binnen 4 Wochen im Oase-Kino auf der Hamburger Reeperbahn. Auch in Deutschland kam der Film gekürzt heraus, allerdings fehlten lediglich zwei Minuten. Eine Originalfassung in englischer Sprache lief im wenige Monate später geschlossenen Europa-Filmpalast am Münchner Hauptbahnhof.
Comeuppance Reviews fasste die Faszination von "Never Too Young To Die" kurz so zusammen: "To quote the back of the VHS box, Vanity and Stamos “must take on the maniacal hermaphrodite.” If that doesn’t pique your interest in seeing the movie, you’re probably dead. And they wrote that like it’s no big, unusual thing. God bless the 80s." 

Update 21.4.2019:
Das Rio Cinema in London spielt am Samstag 11.5.2019 ab 23:30 in seiner Reihe Midnight Excess die zwei Vanity-Filme "The Last Dragon" und "Never Too Young To Die", letzteren als UK-Kinopremiere.