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In einer kleinen Stadt: Stephen King im Asta

Veröffentlicht am 27.09.2017


Zehn Jahre nach "Der Nebel" und "Zimmer 1408" kommt mit "Es" nun endlich wieder eine Stephen-King-Adaption in die Kinos. Wobei Deutschland seit der ersten King-Verfilmung, Brian de Palmas "Carrie" von 1976, eigentlich immer Stephen-King-Land war. Kings in Kleinstädten angesidelte Horrorgeschichten mit ihren gesellschaftskritischen Spitzen trafen von Anfang an hiesige Befindlichkeiten und auch Urängste.
Das Asta Nielsen zeigte bis zu seiner Schließung sechs King-Adaptionen, wobei allein drei 1986, im letzten Jahr des Asta, liefen. Nach einem zweiwöchigen Wiedereinsatz von "Carrie" im November 1978 (im Piccadilly/Asta 3) startete Bernd Eichingers Neue Constantin im Asta 1 am 29.4.1983 George A. Romeros "Creepshow" als "Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der dann noch zwei weitere Wochen im Asta 2 beschieden waren. King ist hier als Autor in Hochform und attackiert die Phobien einer zunehmend narzisstisch veranlagten Gesellschaft: Ein toter Vater backt sich seinen ganz eigenen Vatertagskuchen, ein gieriger Farmer wird zum moosbedeckten Monster, ein Ehemann buddelt Frau und Liebhaber im Sand ein, ein Professor nutzt eine untote Kreatur für einen Mord und ein stets auf Sauberkeit bedachter Reicher wird von Kakerlaken buchstäblich überflutet.
Im Mai 1984 spielte das Asta als Erstaufführung David Cronenbergs "Dead Zone - Der Attentäter", eine brillante, vergleichsweise subtile King-Adaption über den einfachen Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken), der nach einem Autounfall hellseherische Fähigkeiten besitzt. Er kann nach der Berührung eines x-beliebigen Menschen in dessen Zukunft sehen. Als er an einen Präsidentschaftskandidaten gerät, der einen nuklearen Krieg anzetteln wird, plant Smith ein Attentat.
1986 standen dann "Werwolf von Tarker Mills", als einwöchige Übernahme aus dem Resi 4, sowie die in Erstaufführung gestarteten "Rhea-M - Es begann ohne Warnung" und "Katzenauge" auf dem Asta-Programm. "Werwolf von Tarker Mills" von Daniel Attias führt in ein verschlafenes Nest in Maine, in dem nur ein elfähriger Junge (Corey Haim), der im Rollstuhl sitzt, einen im Akkord mordenden Werwolf stoppen kann. Der Junge findet mit detektivischer List den wahren Täter, während die normalen Bürger längst zu blindwütigen Waffennarren mutiert sind.
"Rhea-M" (ab 27.11.1986 je eine Woche im Asta 1 und 2) war Kings erste und bislang einzige Regiearbeit. Ein an der Erde vorbeifliegender Komet erweckt Maschinen zum Leben und macht sie zu tödlichen Waffen. In einer Raststätte versammeln sich die unterschiedlichsten Menschen, um gegen die Maschinen zu kämpfen. Der mit Emilio Estevez, krachenden Autostunts und blutigen Einlagen garnierte Film floppte grandios - ist aber eine neuerliche Sichtung wert, da er sozusagen King-Kino in Reinform darstellt. 
Lewis Teagues gelungener "Katzenauge" (ab 4.12.1986 zwei Wochen im Asta 1, dann eine Woche im Asta 2) nimmt nochmal die Moderne und die vermeintlich aufgeklärte Menschheit aufs Korn. Hier erleben ein Mann, der unbedingt Nichtraucher werden will, ein von Eifersucht zerfressener Ehemann und ein Paar, das seiner Tochter (Drew Barrymore) die Existenz eines mörderischen Kobolds nicht glauben will, ihr blaues Wunder. "Katzenauge" zeigt deutlich, wie King die spießige und verlogene Erwachsenenwelt mit den ungleich klügeren Tieren und Kindern torpediert. Nichts scheint auch hier schrecklicher zu sein als die Natur und die Wünsche der Erwachsenen. Sie sind das eigentliche Grauen.
Den großen Aufschwung der King-Verfilmungen mit "Stand By Me", "Friedhof der Kuscheltiere" und "The Green Mile" ab 1987 erlebte das Asta Nielsen nicht mehr, da war es schon tot. Was auch immer das in einem King'schen Zusammenhang heißen mag.(rs)