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Es war einmal: Der Platzanweiser

Veröffentlicht am 03.11.2017


Neben mir wunderte sich neulich eine ältere Dame im Kinofoyer: "Wo ist denn der Platzanweiser?" Abrupt blieben ich und andere Gäste stehen und schauten uns an. "Platzanweiser?" Mein Gott, das Wort hatten wir ja seit Jahren nicht mehr gehört. Stöbert man in alten Fotosammlungen von Kinobetreibern, findet man dort Bilder schick gekleideter Damen und Herren, die tatsächlich gerne mit den Gästen durch die Säle spazierten und dann auch mit Taschenlampen nach Beginn der Vorstellung Plätze suchten. Mit dem Einzug der Kinocenter Ende der 1970er Jahre traten diese Herrschaften etwas resoluter auf, denn sie sollten meist die Einhaltung der jeweils bezahlten Platzkategorie überprüfen. Aus den PlatzanweiserInnen wurden die EinlasserInnen. Und in den ersten Multiplexen standen diese Damen und Herren auch noch vor jedem Saal, um die Karten zu kontrollieren und zumindest "links" oder "rechts" zu sagen, gerne auch "Danke" und die auf der Karte vermerkte Reihe zu nennen. Mittlerweile aber gibt es den Zentraleinlass mit ein oder zwei Aufsichtspersonen, dahinter sollen die Kinobesucher sich selbst ihren Weg zum Sitz bahnen, auch in der Dunkelheit. Dass beim Start des Films nur noch automatisch die Türe zuklappt und kein Mitarbeiter mehr Lautstärke oder Bildschärfe überprüfen muss, ist da nur folgerichtig. Was nun aber neu ist: Die Mitarbeiter tauchen dann doch noch während des Films auf. Sehr spät oder aber zu früh. Meist zum Beginn des Abspanns stehen plötzlich mehrere Damen und Herren mit Mülleimern und Besen an der Treppe, bedanken sich artig und fegen dann schnell durch. Blitzschnell verschwinden sie wieder, zum nächsten zu reinigenden Saal.

In den Filmkunstkinos und einigen kleineren Kinocentern ist das alles etwas anders. Da wird tatsächlich noch vor dem Saal begrüßt, freundlich das Ticket abgerissen und etwas geplaudert. Und wenn die Dame dort fragen würde "Sind Sie der Platzanweiser", würde sie zu hören bekommen: "Äh, nun ja. Eigentlich bin ich, äh,... der Kinobesitzer." (rs)

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In einer kleinen Stadt: Stephen King im Asta

Veröffentlicht am 27.09.2017


Zehn Jahre nach "Der Nebel" und "Zimmer 1408" kommt mit "Es" nun endlich wieder eine Stephen-King-Adaption in die Kinos. Wobei Deutschland seit der ersten King-Verfilmung, Brian de Palmas "Carrie" von 1976, eigentlich immer Stephen-King-Land war. Kings in Kleinstädten angesidelte Horrorgeschichten mit ihren gesellschaftskritischen Spitzen trafen von Anfang an hiesige Befindlichkeiten und auch Urängste.
Das Asta Nielsen zeigte bis zu seiner Schließung sechs King-Adaptionen, wobei allein drei 1986, im letzten Jahr des Asta, liefen. Nach einem zweiwöchigen Wiedereinsatz von "Carrie" im November 1978 (im Piccadilly/Asta 3) startete Bernd Eichingers Neue Constantin im Asta 1 am 29.4.1983 George A. Romeros "Creepshow" als "Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der dann noch zwei weitere Wochen im Asta 2 beschieden waren. King ist hier als Autor in Hochform und attackiert die Phobien einer zunehmend narzisstisch veranlagten Gesellschaft: Ein toter Vater backt sich seinen ganz eigenen Vatertagskuchen, ein gieriger Farmer wird zum moosbedeckten Monster, ein Ehemann buddelt Frau und Liebhaber im Sand ein, ein Professor nutzt eine untote Kreatur für einen Mord und ein stets auf Sauberkeit bedachter Reicher wird von Kakerlaken buchstäblich überflutet.
Im Mai 1984 spielte das Asta als Erstaufführung David Cronenbergs "Dead Zone - Der Attentäter", eine brillante, vergleichsweise subtile King-Adaption über den einfachen Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken), der nach einem Autounfall hellseherische Fähigkeiten besitzt. Er kann nach der Berührung eines x-beliebigen Menschen in dessen Zukunft sehen. Als er an einen Präsidentschaftskandidaten gerät, der einen nuklearen Krieg anzetteln wird, plant Smith ein Attentat.
1986 standen dann "Werwolf von Tarker Mills", als einwöchige Übernahme aus dem Resi 4, sowie die in Erstaufführung gestarteten "Rhea-M - Es begann ohne Warnung" und "Katzenauge" auf dem Asta-Programm. "Werwolf von Tarker Mills" von Daniel Attias führt in ein verschlafenes Nest in Maine, in dem nur ein elfähriger Junge (Corey Haim), der im Rollstuhl sitzt, einen im Akkord mordenden Werwolf stoppen kann. Der Junge findet mit detektivischer List den wahren Täter, während die normalen Bürger längst zu blindwütigen Waffennarren mutiert sind.
"Rhea-M" (ab 27.11.1986 je eine Woche im Asta 1 und 2) war Kings erste und bislang einzige Regiearbeit. Ein an der Erde vorbeifliegender Komet erweckt Maschinen zum Leben und macht sie zu tödlichen Waffen. In einer Raststätte versammeln sich die unterschiedlichsten Menschen, um gegen die Maschinen zu kämpfen. Der mit Emilio Estevez, krachenden Autostunts und blutigen Einlagen garnierte Film floppte grandios - ist aber eine neuerliche Sichtung wert, da er sozusagen King-Kino in Reinform darstellt. 
Lewis Teagues gelungener "Katzenauge" (ab 4.12.1986 zwei Wochen im Asta 1, dann eine Woche im Asta 2) nimmt nochmal die Moderne und die vermeintlich aufgeklärte Menschheit aufs Korn. Hier erleben ein Mann, der unbedingt Nichtraucher werden will, ein von Eifersucht zerfressener Ehemann und ein Paar, das seiner Tochter (Drew Barrymore) die Existenz eines mörderischen Kobolds nicht glauben will, ihr blaues Wunder. "Katzenauge" zeigt deutlich, wie King die spießige und verlogene Erwachsenenwelt mit den ungleich klügeren Tieren und Kindern torpediert. Nichts scheint auch hier schrecklicher zu sein als die Natur und die Wünsche der Erwachsenen. Sie sind das eigentliche Grauen.
Den großen Aufschwung der King-Verfilmungen mit "Stand By Me", "Friedhof der Kuscheltiere" und "The Green Mile" ab 1987 erlebte das Asta Nielsen nicht mehr, da war es schon tot. Was auch immer das in einem King'schen Zusammenhang heißen mag.(rs)

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Kinocenter 2.0: Die Rückkehr der Schachtelkinos

Veröffentlicht am 17.08.2017


Gerade sind die Halbjahreszahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) erschienen. Sie belegen, dass sich die Besucherzahlen auch 2017 auf
einem Niveau einpendeln, das mit den frühen 1990er Jahren vergleichbar ist. Der einzige Unterschied: Statt der alten Kinocenter in den Großstädten stehen heute moderne Multiplexe auf der grünen Wiese. Und letztere eifern neuerdings genau den alten Schachtelkinocentern nach. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die erste Generation der Multiplexe mit ihren zehn oder mehr 200- und 300-Platz-Sälen zu groß geworden ist für die heutige Nachfrage. Und so haben Neubauten und Modernisierungen nur ein Ziel: Möglichst viele kleinere Säle mit bis zu 100 Plätzen. Natürlich ansteigend im Arena-Stil und mit viel Beinfreiheit statt ebenerdig und mit engen Klappsitzen und, unvergesslich, auf die Knie drückenden Getränkehaltern.

Die Rückkehr der kleinen Kinos trägt einem veränderten Programmierungs- und Besucherverhalten Rechnung. Einerseits drängen immer mehr Filme auf die Kinoleinwand, andererseits hat sich das heutige Publikum an Schienenprogramme gewöhnt, sprich eine klare Einteilung in Nachmittags-, Haupt- und Spätschienen, so dass manche Multiplexe pro Woche bis zu 30 verschiedene Filme anbieten. Dazu kommen noch einmal diverse Previews und Sonderveranstaltungen, Gamer-Events und Live-Übertragungen aus Opernhäusern oder Fußballstadien. Das Publikum besteht zunehmend aus speziellen, kleinen Zielgruppen, die Digitalisierung ermöglicht schnelle, dem jeweiligen Bedarf angepasste Saalwechsel.
Wer sich an die alten Kinos erinnert, wo Filmvorführer am Ende der Kinowoche immer mit 35-Millimeter-Filmrollen kämpfen mussten, um diese aufzuziehen oder abzubauen, wird sich ein Lächeln angesichts dieser neuen Leichtigkeit der Projektion nicht verkneifen können. Und es kommt womöglich noch "besser": In China wurden bereits die ersten Bildwände aufgebaut, die wie Fernseher funktionieren und eine Projektion quer durch den Saal gar nicht mehr benötigen. Auch da gab es ähnliches bereits in der Vergangenheit: Die Düsseldorfer Minisäle Linse 1 im Savoy sowie Europa 4 und 6, beide Nachfolger des alten "club intim", führten bis zu ihrer Schließung alle Filme mit Rückprojektion vor. (rs)

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"Schön und wild auf Ibiza": Margit Geissler

Veröffentlicht am 25.02.2016


Wenige Tage nach Vanity verstarb nun, ebenfalls im Alter von 57, die deutsche Komödiantin Margit Geissler. Die am 24.10.1958 gebürtige Berlinerin starb am 22.2. an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung in München. Als Marita Man debütierte die ausgebildete Schauspielerin 1979 in Claus Tinneys Sexkomödie "Nackt und heiß auf Mykonos" (1 Woche im Asta 1, Wiedereinsatz 1980) und spielte anschließend in diversen deutschen Erotik- und Verwechslungsklamotten wie "Kesse Teens und irre Typen" und "Heiße Kartoffeln". Geisslers Markenzeichen war dabei ein unbeschwertes, etwas rotziges Auftreten, das später auch frischen Wind in Fernsehserien wie "Onkel & Co." und "Das kann ja heiter werden" brachte. Im Asta Nielsen war sie Mitte der 1980er Jahre noch in "Die schönen Wilden von Ibiza" (1 Woche im Asta 3, Wiedereinsatz 1986) ihres zeitweiligen Ehemannes Sigi Rothemund und in der Hallervorden-Komödie "Didi und die Rache der Enterbten" (4 Wochen im Asta 2 und 3, 1985) zu sehen. Nach dem Ausbleiben weiterer Rollenangebote wurde Geissler 2012 Bordellbetreiberin in München-Pasing. "Nackt und heiß"-Partner Sascha Hehn lobte seine frühere Kollegin in der Bild-Zeitung als "lebensfrohe und vor allem liebenswerte Kollegin". Mit ihrer lockigen Löwenmähne und ihrem dionysischen Lachen zählte Margit Geissler ganz sicher zu den selbstbewusstesten Protagonistinnen des deutschen Lustspielkinos. (rs)

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"Stirb niemals jung": Vanity

Veröffentlicht am 22.02.2016



Am 15. Februar verstarb die von Prince entdeckte kanadische Sängerin und Schauspielerin Vanity. Sie wurde 57 Jahre alt.
Vanity, am 4. Januar 1959 in Niagara Falls als Denise Katrina Matthews geboren, war im Asta 1 jeweils eine Woche in Roger Spottiswoodes Debüt-Thriller "Monster im Nachtexpress" (Terror Train, 1981) und in Gil Bettmans wüster Agentenparodie "Lance - Stirb niemals jung" (Never Too Young To Die, 1986) zu sehen. Letztere sollte als moderner James-Bond-Reißer eigentlich von Steve Carver ("Mc Quade, der Wolf") inszeniert werden und präsentierte Vanity endlich einmal groß auf dem Filmplakat. Der von Steven Paul ("Slapstick", "Baby Genuises") produzierte Actioner fiel an den Kassen allerdings durch. Auch in Düsseldorf, wo der Scotia-Verleih den Film im Juli 1986 auf seiner für Jahre exklusiv gebuchten Litfaßsäule unter dem Tausendfüßler bewarb, ging es nach einer Woche im Resi 4 und Rex A und einer einsamen zweiten Woche im Asta 1 zurück ins Filmlager. Immerhin aber erreichte Vanitys Film einen Monat nach dem US-Start in West-Deutschland 130.000 Besucher, ein Drittel der Zahlen der Chuck-Norris-Actioner "Delta Force" und "Invasion U.S.A.". Ihre beste Rolle spielte die Tochter einer Deutschen und eines Afro-Amerikaners kurz darauf in John Frankenheimers grimmiger Elmore-Leonard-Adaption "52 Pick-Up", die nach der Schließung des Asta Nielsen in Düsseldorf kein passendes Kino mehr fand.
Nach mehreren Engagements in TV-Serien und einem durch Drogenkonsum verursachten Nierenversagen 1992 stieg Vanity Mitte der 1990er Jahre aus dem Filmgeschäft aus und wandte sich als Evangelistin dem christlichen Glauben zu. Alle ihre Fotos, Filme und Platten landeten auf dem Müll. In "Blame it on Vanity" rechnete sie mit ihrer Hollywood-Karriere ab und lobte ihr "spirituelles Leben mit Gott". Im November 2015 widmete der Hollywood Reporter "Lance - Stirb niemals jung" ein "Flashback"-Interview mit Vanitys Co-Stars John Stamos und Gene Simmons. Stamos rekapitulierte, wie Vanity beim ersten Treffen vor Drehbeginn gleich ihre Hand auf seine Beine gelegt hätte, um ihn, der Filmrolle entsprechend, anzumachen. Es sei aufgrund ihres Star-Status aber zu keiner weiteren Affäre gekommen. Vanity wollte sich drei Monate vor ihrem plötzlichen Tod nicht mehr zu dem Film äußern und ließ alle Interviewanfragen unbeantwortet. (rs)

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